Jul 032016
 

Nachdem mein betagter Homeserver Acer H430, der schon treu und klaglos seit gut 8 Jahren seinen Dienst verrichtet, plötzlich eine Meldung auswarf, dass die Systemplatte SMART-Fehler hat und demnächst ausfallen würde, habe ich mir die SMART-Daten der eingesetzten Festplatten angeschaut und mit Entsetzen festgestellt, dass der LCC (Lord Cycle Count) bei rund 300.000 stand und damit die vier eingebauten Festplatten das Ende ihrer prognostizierten Laufzeit erreicht hatten. Das war natürlich keine gute Nachricht und es bedeutete gleichzeitig, zu handeln, um nicht wichtige Daten zu verlieren bzw. diese aus einem Backup wiederherzustellen zu müssen.

Der alte Acer H430-Homeserver mit seinen 4 Plattenschächten

Der alte Acer H430-Homeserver mit seinen 4 Plattenschächten

Was ist denn nun genau der ominöse LCC ? Nun ja, die im alten Acer-Homeserver verwendeten WD Green Platten, die eigentlich nur für den Desktop-Betrieb vorgesehen sind, parken alle paar Sekunden ihren Lesekopf, was im normalen Desktop-Betrieb kein Problem ist, da die Platten in einer normalen Workstation nicht im Dauerbetrieb laufen und somit die LCC von 300.000 sicher erst dann erreicht wird, wenn die Festplatten elektronisch und mechanisch schon defekt sind. Da ich aber die Festplatte für den Homeserver-Betrieb von mir zweckentfremdet eingesetzt wurden, liefen sie im Dauerbetrieb und wenn man nun rechnet, dass die Platten alle paar Sekunden ihren Lesekopf parken, dann kann diese Grenze natürlich schon ziemlich schnell erreicht werden. Genauso ist dies nun eingetreten und die Festplatten signalisierten ja schon, dass der SMART-Wert für LCC die Grenze dessen erreicht hat, was der Hersteller für diese Platten spezifiziert hatte. Es hieß nun also, schnell zu handeln, um nicht zu riskieren, dass die Platten ausfallen und damit alle Daten nur noch sehr aufwendig von einem Backup rekonstruiert werden mussten,  was bei 12 TB Daten eine ganze Weile dauern kann.

Daher stellte sich mir die Frage, kaufe ich jetzt 4 neue Platten oder aktualisiere ich auch gleich den Homeserver, denn dieser läuft unter Windows Home Server 2011, welches von Microsoft nicht mehr weiterentwickelt wird, einzig Sicherheitsupdates werden noch gepflegt. Außerdem kann WHS 2011 nicht das bieten, was die modernen NAS schon von Haus aus mitbringen, ein Anschluss an einen Fernseher ist gar gleich unmöglich, will man mal Filme oder Bilder direkt am Fernseher abspielen. Insofern wäre der Wechsel auf eine zeitgemäße NAS auch der Wechsel ins neue digitale Zeitalter mit all den Möglichkeiten, die heutige NAS bieten, incl. eigener Cloud.

Die im alten Acer-Homeserver verwendeten WG Green-Platten

Die im alten Acer-Homeserver verwendeten WG Green-Platten

Nach langen Recherchen fiel die Wahl dann auf eine QNAP TS 451+, die all das bietet, was ich für mein digitales Umfeld benötige, mit all den Annehmlichkeiten, die man heute gerne verwendet, vor allem wollte ich die NAS an den Fernseher anschließen und mittels KODI o.ä. dann Filme anschauen. Die QNAP TS 451+ hat nämlich noch einen HDMI-Ausgang und zusätzlich zum eigenen Betriebssystem eine eigene Oberfläche nur für die Ausgabe per HDMI, so dass man Filme anschauen kann und gleichzeitig die NAS im Betrieb remote nutzen kann.

Zusätzlich habe ich den Schritt gemacht und vier NAS-taugliche Platten gekauft, die Wahl fiel nach Lesen von Rezensionen und diversen Blogs im Internet auf Seagate NAS-Platten (genauer gesagt auf die ST3000VN000), die für den Dauerbetrieb in einem NAS spezifiziert sind, von den WD-Red-Platten habe ich lieber die Finger gelassen, da in einigen Blogs berichtet wurde, dass die Platten in QNAP-Servern eher zum Ausfall neigen. Dies war mir dann doch zu heikel, meine Daten Platten anzuvertrauen, die nicht als sicher gelten und auch von QNAP-Usern des öfteren als unsicher tituliert werden. Auch habe ich den integrierten Speicher der NAS gleich im Zuge des Kaufs auf 16 GB erweitert, da ich auf der NAS noch virtualisierte Betriebssysteme starten wollte, welche natürlich entsprechend speicherhungrig sind.

Gesagt, getan, die QNAP und vier Seagate NAS-Platten mit jeweils 3 GB bestellt, so dass der Umzug der Daten zeitnah von sich gehen konnte. Wenige Tage später kam ein großes Paket vom Händler, wo die QNAP TS451+ enthalten war, die vier Seagate NAS-Platten sowie zwei Speicherriegel mit jeweils 8 GB. Insgesamt ist die NAS sehr kompakt und man ist überrascht, wie klein die heutigen Geräte sind. Also habe ich nach dem Auspacken dann das Gerät geöffnet und als erstes den Speicher gewechselt, was mit etwas handwerklichem Geschick kein Hexenwerk ist und schnell erledigt war. Danach dann die Platten eingebaut, Strom und Netzwerk angesteckt und das Gerät gestartet.

Die neue QNAP-NAS mit daraufliegendem Netzwerk-Switch

Die neue QNAP-NAS mit daraufliegendem Netzwerk-Switch

Nach den ersten Schritten, wo die Benutzer und die Grunddaten für den Server und die Festplatten abgefragt wurden, legte der Server los, die Platten mit RAID 5 zu initialisieren. Meine Intention war es dabei, die Ausfallsicherheit des Servers zu erhöhen, da der Ausfall einer Platte durch den RAID-Verbund abgefangen wird und man dann noch die defekte Platte tauschen kann, ohne dass die Daten verloren gehen. Dass das Initialisieren des RAID-Verbunds dauern würde, war mir bekannt, so dass ich den Server nun in  Ruhe seine RAID 5-Einrichtung machen ließ und mich in der Zwischenzeit anderen Dingen widmete. Man kann zwar schon auf der Maschine arbeiten, aber sie ist gut ausgelastet, die Platten zu initialisieren und läuft währenddessen nur im „Degraded“-Mode, was Performance-Einbußen beim Lesen und Schreiben bedeutete.

Nach gut 28 Stunden meldete sich die QNAP per Mail, dass sie nun mit der Initialisierung der Platten fertig wäre und nun „betriebsbereit“ wäre, d.h. dass das RAID 5 nun fertiggestellt sei und es möglich wäre, ab sofort den Ausfall einer Platte zu verkraften. Man muss dazu noch wissen, dass das Initialisieren von RAID 5 auf den beteiligten Platten einen ungeheuren Stress verursacht, da ungeheuer viele Festplattenzugriffe stattfinden und die Platte hoch belastet wird. Die meisten Server-Platten fallen während der RAID-Initialisierung aus, weshalb das Rebuild eines RAID immer ein kritischer Moment für die beteiligten Platten und den Server ist.

Nach der Fertigstellung des RAID stand nun noch das Einspielen der Daten an, wo sich das nächste Problem ergab. Durch die Initialisierung der NAS-Platten mit RAID 5 stand systembedingt nur noch 3/4 der Kapazität zur Verfügung, d.h. ich hatte nur ca. 9 TB netto an Kapazität zur Verfügung. So musste ich nun aus 12 TB Daten weniger als 9 TB Daten machen, was auch wunderbar gelang, weil mehrere alte Backups von diversen Rechnern, die inzwischen hoffnungslos veraltet waren, entsorgt werden konnten. Außerdem waren jede Menge an alten Daten auf dem Homeserver sowie das Betriebssystem selbst inzwischen unnötig und wurden aussortiert, so dass schnell eine Datenmenge erreicht war, die problemlos auf das neue NAS passte.

Da das neue NAS außerdem Link-Aggregation besitzt, konnte dank zweier Netzwerkschnittstellen und dem passenden Switch die Netzwerktransferleistung verdoppelt werden, um die Daten vom alten Server auf die neue NAS zu transferieren. Trotzdem dauerte der Transfer fast zwei Tage und die beiden Geräte arbeiteten permanent an ihrer Leistungsgrenze. Limitierender Faktor war auf jeden Fall der Acer H430, der mit 2 GB RAM und nur einer Gigabit-Netzwerkschnittstelle und den doch betagten Platten nicht die Schreibgeschwindigkeit liefern konnte, die der neue Server verkraftet. Doch am Ende hat auch dies geklappt. Nach einer kurzen Prüfung der Daten und Zugriff auf einige Dateien konnte dann endlich der Homeserver abgeschaltet werden und der endgültige Umstieg auf den neuen NAS-Server gemacht werden.

Da ich diverse Apple-Geräte besitze, habe ich gleich noch die TimeBackup-Funktion auf der QNAP eingeschaltet und konnte damit ab sofort die Backups meines iMac sowie meines MacBookPro ab auf die NAS legen, was völlig reibungslos funktioniert und nun durch die erhöhte Schreibgeschwindigkeit deutlich schneller ist als vorher. Damit kann ich langfristig meine im Büro stehende Apple TimeCapsule 2 TB entsorgen, die nun überflüssig ist, da meine Apple-Backups nun zentral auf der NAS liegen.

Zuerst stand der neue NAS-Server im Abstellraum und tat dort klaglos seinen Dienst, aber ich wollte ja ursprünglich damit auch am Fernseher Filme von der Platte anschauen, so dass ich an einem freien Wochenende den QNAP ins Wohnzimmer umsiedelte und nach getaner Verkabelung auch die Funktion als Mediaplayer testen konnte. Ich war angenehm überrascht, wie flüssig und einfach sich KODI auf der „zweiten“ Oberfläche des QNAP starten und bedienen ließ und wie reibungslos der Betrieb der neuen NAS vonstatten ging. Auch die Lautstärke war für das Wohnzimmer angenehm, außer einem leichten Surren des temperaturgesteuerten Lüfters und einem leichten Kackern der Festplatten war absolut nichts zu hören.

Ein weitere großer Vorteil ist, dass durch die Anbindung der NAS an die Cloud von QNAP der Server weltweit erreichbar ist und der Zugriff auf die Daten problemlos und einfach möglich ist. Desweiteren kann ich nun durch die von QNAP verfügbaren Apps auf allen meinen Smartphones und Tablets auf alle Daten zugreifen, erhalte sofort Warnungen, wenn auf dem NAS etwas ungewöhnliches vorgefallen ist und kann vor allem auch alle meine Filme und Musik über das WLAN ansehen bzw. anhören und alles auch auf dem Fernseher ansehen bzw. anhören. Es ist schon unglaublich, was so ein kleines Gerät so kann und welche Möglichkeiten heute verfügbar sind, um schnell und angenehm arbeiten zu können.

Insgesamt hat sich also die Ausgabe von ca. 1000 Euro gelohnt, um die nächsten Jahre Planungssicherheit und vor allem Ausfallsicherheit für meine Daten zu haben. Zusätzlich kann die QNAP mit neuen Betriebssystemupdates versorgt werden und damit ist man stets auf den aktuellen Stand, was mit dem alten Homeserver leider nicht mehr möglich war, da das Betriebssystem nicht mehr weiterentwickelt wird. Was noch fehlt, ist die Virtualisierung eines Betriebssystems auf der QNAP, dazu bin ich noch nicht gekommen, will das aber jetzt dann mal in der Sommerpause testen und werde dann dazu in einem eigenen Artikel berichten. Außerdem werde ich Euch in Kürze hier berichten, was mit dem alten Homeserver Acer H340 passiert, der ja noch tadellos funktioniert und bald mit Ubuntu Server 16.04 versorgt werden wird, was dann aber in einem eigenen Artikel mündet. Also, bleibt dran, mehr von der Umrüstung meines alten Homeservers auf Ubuntu 16.04 Server folgt dann in Kürze, es bleibt also weiter spannend…

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